Kennst du schon … Rüdiger
Mit 73 Jahren hat Rüdiger seinen dritten WM-Titel geholt, weitere Erfolge bei EM-, Deutschen- und anderen Meisterschaften sind kaum mehr zu zählen. Rüdiger ist Wasserballer und spielt mit Zweitstartrecht für den SC Düsseldorf 98. Wie es dazu kam, lest ihr hier:
Rüdiger, gebürtiger Harburger, wurde mit 12 Jahren von seiner Mutter zum Schwimmen geschickt, „damit der Junge nicht mehr raucht“. Schnell zeigte sich sein Talent für Brustschwimmen; ein dritter Platz bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften beweist das eindrucksvoll. „Kachelzählen“ war ihm auf Dauer zu langweilig und im TUS Harburg gab es zudem noch eine Wasserballsparte. Als Youngster spielte er sich zwischen vielen „alten Herren“ bis zum Bundesliga-Aufstieg hoch – der gelang schließlich doch nicht.
Mit einer 100-m-Freistil-Zeit unter 1 Minute schaffte er es zur Bundeswehr Sportkompanie in Warendorf, wo er sich ganz seiner Wasserball-Leidenschaft widmen konnte und Deutschland international vertrat. Später führte ihn sein Weg zu Poseidon Hamburg mit seinen heutigen und ehemaligen Winsener Mannschaftskollegen Uwe und Willem.
Nach einem beruflichen Aufenthalt in den USA als Betriebsingenieur bei AEG kehrte er nach Deutschland zurück, kaufte einen Hof und bewirtschaftete diesen mehrere Jahre.
Zu jener Zeit wechselte er nach Winsen, man kannte sich ja schon. In einer Startgemeinschaft „Hamburg-Mix“, zu der auch der WSV zählte, trat man bei Turnieren an und feierte Erfolge, die kaum noch zu zählen sind. Viele Erinnerungen hängen noch immer im Schwimmerheim.
Im Wasserball ist es möglich ein Zweitstartrecht für einen anderen Verein zu beantragen und mit diesem Verein Turniere bestreiten. Rüdiger wollte mehr – und mit dem Zweitstartrecht im Düsseldorfer SC gelang ihm das. Seinen ersten internationalen WM-Auftritt hatte er 2007 in Melbourne. Den ersten WM-Titel gewann er 2010 in Göteborg, 2014 in Montreal und der bislang letzte 2025 in Singapur.
Die Masters-WM ist eine Club-Meisterschaft mit Altersklassen, z. B. AK 60, in der Gegner zwischen 60 und 64 Jahren antreten. Pro Mannschaft sind maximal 13 Spieler erlaubt. Bei einer WM treten rund 10 Mannschaften pro Altersklasse an; gespielt wird in zwei Gruppen, danach Semifinale und Finale. Das Turnier dauert etwa eine Woche, meist mit täglichen Spielen. Reisekosten, Hotel und ggf. einem Trainingslager vorab – das ist Rüdigers Leidenschaft, für die er gern privates Geld investiert.
Das emotionalste Spiel seiner Karriere war das WM-Endspiel, das im 7-m-Werfen entschieden wurde. Die Düsseldorfer behielten die Nerven und gewannen mit einem Tor Vorsprung.
Wie schafft man das mit 74 Jahren? Montags Wasserball in Winsen, dazu Fitnessstudio-Besuche, eine gute Grundlage als Brustschwimmer und viel Erfahrung. Natürlich gab es auch Verletzungen; mancher Zahn ist nicht mehr echt ☺.
Dieses Jahr steht vermutlich noch die Masters-EM in Bratislava/Slowenien an; wie es danach weitergeht, wird noch entschieden. Er ist zufrieden mit dem Erreichten – und dazu passt auch einer seiner Lieblingssongs von Vicky Leandros: „Ich liebe das Leben“.







